Bilanzstichtag + 12 Monate: die Offenlegungsfrist richtig rechnen
30. Juli 2026, aktualisiert 14. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit · RegisterRadar RedaktionDer Zwölfmonatstermin ist das allgemeine Jahresmodell nach § 325 Abs. 1a HGB. Prüfen Sie seine Anwendbarkeit einschließlich Kapitalmarktorientierung, Ausnahmen und Sondervorschriften. Unterlagen und Übermittlungsweg müssen zum konkreten Fall passen.
Das allgemeine Jahresmodell knüpft an den Abschlussstichtag an. Seine Anwendbarkeit ist eine eigene Frage: Kapitalmarktorientierung und Sondervorschriften können andere Anforderungen auslösen. Dieser Beitrag ordnet Stichtag, Unterlagen und Einreichweg ein.
- Die Grundregel: Stichtag plus zwölf Monate
- Drei Rechenbeispiele
- Was genau offenzulegen ist
- Die Größenklassen nach § 267 HGB
- Der elektronische Weg: Unternehmensregister und Bundesanzeiger
- Die drei typischen Rechenfehler
- Praxis-Beispiel: UG mit Stichtag 31. Dezember
- Mehrere Gesellschaften: jede Frist einzeln rechnen
- Das Wichtigste in Kürze
Die Grundregel: Stichtag plus zwölf Monate
Anwendungsgrenze: § 325 Abs. 4 HGB sieht bei Kapitalmarktorientierung nach § 264d grundsätzlich längstens vier Monate vor. § 327a enthält eine enge Schuldtitelausnahme. RegisterRadar speichert diese Grundlagen und weitere Sondervorschriften als Ja, Nein oder Unbekannt. Nur passende, widerspruchsfreie Angaben ergeben ein Modell. Die konkreten Grenzen und Beispiele erklären den Rechner.
Im gewöhnlichen Anwendungsfall nach § 325 Abs. 1a HGB sind die Unterlagen spätestens ein Jahr nach dem Abschlussstichtag zu übermitteln. Kapitalmarktorientierung, Befreiungen und Sondervorschriften müssen zuvor geprüft sein. Der Stichtag ist der letzte Tag des Geschäftsjahrs.
GmbH und UG sind Kapitalgesellschaften. Bei GmbH & Co. KG setzt die Anwendung den Tatbestand des § 264a HGB voraus. Die Rechnung knüpft an den Abschlussstichtag an; ein unfertiger Abschluss verschiebt ihn nicht.
Drei Rechenbeispiele
Im allgemeinen Zwölfmonatsmodell lautet die Rechnung Stichtag plus zwölf Monate. Ob dieses Modell für Ihre Gesellschaft gilt, müssen Sie gesondert prüfen:
| Bilanzstichtag | Offenlegung spätestens bis |
|---|---|
| 31.12.2025 | 31.12.2026 |
| 30.06.2025 | 30.06.2026 |
| 31.03.2025 | 31.03.2026 |
Im Jahresmodell liegt der Termin im Folgejahr. Fehlt dort der entsprechende Tag, wird auf das Monatsende gekappt: 29.02.2024 wird 28.02.2025. Wochenenden und Feiertage werden im Modell nicht verschoben; die anwendbaren Fristregeln einschließlich § 193 BGB sind gesondert zu prüfen.
Ein zweiter Stolperstein ist das Kalenderjahr der Einreichung. Für den Stichtag 31.12.2025 reichen Sie im Jahr 2026 ein. Wer am Jahresanfang denkt, „das betrifft mich erst nächstes Jahr“, hat formal recht, verliert aber leicht den Überblick, wenn das nächste Jahr dann tatsächlich da ist.
Auch bei einem Rumpfgeschäftsjahr zählt dessen Abschlussstichtag. Welches Modell anwendbar ist, hängt von den Fallgrundlagen ab, nicht allein von der Dauer des Geschäftsjahrs.
Was genau offenzulegen ist
Offenzulegen ist der Jahresabschluss, in elektronischer Form. Wie umfangreich er ausfallen muss, hängt von der Größenklasse Ihrer Gesellschaft ab. Die Spanne reicht von stark vereinfachten Unterlagen bis zum vollständigen Abschluss mit umfangreichen Angaben.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Erstellung und Einreichung. Ihre Kanzlei erstellt den Abschluss in der passenden Form. Die Einreichung beim Register ist ein eigener Schritt – und genau der bleibt in der Praxis häufig liegen.
Die Größenklassen nach § 267 HGB
§ 267 HGB teilt Kapitalgesellschaften in Größenklassen ein. Für die Offenlegung zählt die Einordnung, weil sie den Umfang der einzureichenden Unterlagen bestimmt:
- Kleinstkapitalgesellschaften dürfen die vereinfachten Einstellungsformen nutzen, der Aufwand bleibt überschaubar.
- Kleine Kapitalgesellschaften profitieren ebenfalls von Erleichterungen, legen aber schon mehr offen.
- Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen den Abschluss in voller Form offenlegen.
Viele kleine GmbHs und UGs fallen in die erste Gruppe. Das ändert nichts an der Pflicht selbst: Auch Kleinstkapitalgesellschaften müssen offenlegen, nur in vereinfachter Form. Wer gar nichts einreicht, ist nicht „zu klein für die Pflicht“, sondern im Verzug.
Der elektronische Weg: Unternehmensregister und Bundesanzeiger
Eingereicht wird elektronisch beim Betreiber des Unternehmensregisters; im allgemeinen Sprachgebrauch ist oft vom Bundesanzeiger die Rede. Einreichung auf Papier ist dafür nicht vorgesehen.
Welche Dateiformate und Konvertierungsleistungen für Ihre Unterlagen vorgesehen sind, prüfen Sie auf der Publikations-Plattform des Unternehmensregisters. Für Geschäftsjahre beginnend vor dem 01.01.2022 bleibt das frühere Offenlegungsmedium zu beachten.
Die Größenklasse betrifft den Umfang der Unterlagen. RegisterRadar speichert zusätzlich Kapitalmarktorientierung, Schuldtitelausnahme und weitere Sondervorschriften und berechnet daraus gegebenenfalls ein Modell. Die App reicht nichts ein.
Die drei typischen Rechenfehler
Erstens: die Frist ab der Erstellung rechnen statt ab dem Stichtag. Wer den Abschluss im Oktober fertig bekommt und meint, die Uhr starte jetzt, liegt fast ein Jahr daneben.
Zweitens: glauben, ein unfertiger Abschluss schiebe die Frist. Tut er nicht. Deshalb gehört die Erstellung früh angestoßen, und die Überwachung beginnt am Stichtag, nicht erst kurz vor Schluss.
Drittens: sich auf die Kanzlei verlassen, ohne den Auftrag zu prüfen. Erstellung und Einreichung sind zwei Leistungen. Was nicht ausdrücklich beauftragt ist, passiert im Zweifel nicht. Das Ordnungsgeld trifft dann Sie als Geschäftsführer, nicht die Kanzlei.
Praxis-Beispiel: UG mit Stichtag 31. Dezember
Beispiel eines bestätigten gewöhnlichen Falls: Eine UG mit Stichtag 31.12.2025, Kapitalmarktorientierung Nein und Sondervorschriften Nein erhält das Zwölfmonatsmodell zum 31.12.2026. Die Grundlagen und die tatsächliche Übermittlung prüft der Nutzer mit seiner Kanzlei.
Für das nächste Geschäftsjahr müssen Sie Stichtag und Fallgrundlagen selbst aktualisieren. RegisterRadar bestätigt weder eine erledigte Offenlegung noch beginnt automatisch ein neues Geschäftsjahr.
Mehrere Gesellschaften: jede Frist einzeln rechnen
Bei mehreren Gesellschaften prüfen Sie für jede die eigenen Fallgrundlagen einschließlich möglicher Konzernbefreiungen. Derselbe Stichtag bedeutet nicht automatisch dasselbe Modell.
Im Kopf lassen sich drei, vier oder fünf Stichtage nicht zuverlässig verwalten. Sie hinterlegen jede Gesellschaft einmal mit ihrem Stichtag, und das Cockpit zeigt alle Fristen nebeneinander, mit der Ampel, welche zuerst Aufmerksamkeit braucht.
Die Auswahl mittelgroße/große Kapitalgesellschaft ist im Radar eine gemeinsame Gruppe. Sie berechtigt nicht zu einer bestimmten Erleichterung: Nach § 267 Abs. 3 HGB gelten kapitalmarktorientierte Gesellschaften stets als groß. Trifft Kapitalmarktorientierung auf die gespeicherte Auswahl klein oder kleinst, bleibt die Fallprüfung wegen des Widerspruchs offen. Prüfen und berichtigen Sie die Angaben für das konkrete Geschäftsjahr; die Anwendung überschreibt Ihre Größenklasse nicht selbst. Auch das bloße Ändern des Namens setzt keine Fallangaben zurück. Mit Unbekannt können Sie eine frühere Bestätigung ausdrücklich zurücknehmen.
Das Wichtigste in Kürze
Der Zwölfmonatstermin ist das allgemeine Jahresmodell nach § 325 Abs. 1a HGB. Prüfen Sie seine Anwendbarkeit einschließlich Kapitalmarktorientierung, Ausnahmen und Sondervorschriften. Unterlagen und Übermittlungsweg müssen zum konkreten Fall passen.
Halten Sie Stichtag, anwendbare Vorschriften und Übermittlungsbeleg zusammen. Ein berechneter Modelltermin bestätigt weder eine erfolgte Offenlegung noch einen Behördenstand.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Wie Sie im Einzelfall vorgehen, besprechen Sie mit Ihrer Kanzlei. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.