Zur App →
Grundlagen

Fiktiver wirtschaftlich Berechtigter: Voraussetzungen und Beispiele

20. August 2026, aktualisiert 8. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit · RegisterRadar Redaktion
Kurzantwort

Bei drei unmittelbar beteiligten natürlichen Personen mit je einem Drittel sind alle drei tatsächlich wirtschaftlich berechtigt. Fiktive Berechtigung setzt dagegen umfassende Prüfungen ohne ermittelten tatsächlichen Berechtigten und das Fehlen von Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG voraus (§ 3 Abs. 2 Satz 5 GwG). Die Meldepflicht bleibt bestehen.

Drei Gesellschafter mit je einem Drittel halten jeweils mehr als 25 Prozent. Sind sie unmittelbar beteiligte natürliche Personen, sind alle drei tatsächlich wirtschaftlich berechtigt. Der fiktive wirtschaftlich Berechtigte ist dagegen ein Auffangtatbestand mit eigenen Voraussetzungen: Auch umfassende Prüfungen ergeben keinen tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten, und es liegen keine Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG vor. Dieser Beitrag zeigt für die GmbH, was Sie prüfen, wen Sie melden und warum eine fehlende Mitteilung allein nicht genügt.

Was „fiktiv“ hier bedeutet

Berichtigung vom 7. Oktober 2026

Die frühere Fassung ordnete drei Anteile von jeweils einem Drittel fälschlich unterhalb der 25-Prozent-Schwelle ein. Richtig ist: Jeder Anteil liegt darüber. Tabelle, Beispiel und FAQ sind berichtigt; die Voraussetzungen der fiktiven Berechtigung sind präzisiert.

Bei einer nicht börsennotierten GmbH ist jede natürliche Person wirtschaftlich berechtigt, die unmittelbar oder mittelbar mehr als 25 Prozent der Kapitalanteile hält, mehr als 25 Prozent der Stimmrechte kontrolliert oder auf vergleichbare Weise Kontrolle ausübt (§ 3 Abs. 2 Satz 1 GwG). Auch ohne Beteiligung über 25 Prozent kann daher ein tatsächlicher wirtschaftlich Berechtigter vorliegen. Das Register fragt durch die Gesellschaft hindurch nach dem Menschen, der dahinter steht.

§ 3 Abs. 2 Satz 5 GwG greift erst, wenn auch nach umfassenden Prüfungen kein tatsächlicher wirtschaftlich Berechtigter ermittelt werden kann und keine Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG vorliegen. Bei der GmbH gelten dann ihre gesetzlichen Vertreter als fiktive wirtschaftlich Berechtigte. „Fiktiv“ bezeichnet diesen gesetzlichen Auffangtatbestand, keine frei wählbare Ersatzmeldung. Die Ermittlung der tatsächlichen Eigentums- und Kontrollverhältnisse geht vor.

Auffangtatbestand heißt nicht befreit

Der fiktive wirtschaftlich Berechtigte ist die Antwort auf die Frage „wen melde ich“, nicht auf die Frage „muss ich melden“.

Die Meldepflicht zum Transparenzregister bleibt vollständig bestehen. Wer den Auffangtatbestand als Befreiung liest, steht mit einem leeren Register da und begeht einen Bußgeld-Tatbestand.

Wann der Fall eintritt

§ 19 Abs. 3 Satz 2 GwG unterscheidet bei der Eintragung zwei Ergebnisse: Die Prüfung hat ergeben, dass keine natürliche Person die Voraussetzungen eines tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten erfüllt, oder seine Ermittlung war trotz umfassender Prüfungen nicht möglich. In beiden Fällen sind die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 Satz 5 GwG zu beachten. Eine fehlende Mitteilung eines Beteiligten genügt nicht automatisch; die Gesellschaft muss ihre umfassenden Prüfungen durchführen. Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG schließen diesen Auffangweg aus.

Beteiligung, Kontrolle und der mögliche Registereintrag
KonstellationErmittlungEintragung
2 natürliche Personen, 60 % / 40 %Beide unmittelbar über 25 %Beide tatsächlich berechtigt
3 natürliche Personen, je 1/3Unmittelbar: je rund 33,33 %Alle drei tatsächlich berechtigt
4 Personen, je 25 %Kapital, Stimmrechte, Kontrolle prüfenFiktiv nur nach § 3 Abs. 2 Satz 5 GwG
Mitteilung fehlt, Struktur unklarUmfassende Prüfung bleibt nötigKeine automatische Ersatzmeldung

Wie die Ermittlung in normalen Fällen läuft, inklusive der Frage, was bei Stimmrechtsbindungen und Stimmzettelvollmachten zählt, steht in Wirtschaftlich Berechtigten bestimmen: so gehen Sie vor.

Wen Sie eintragen und mit welchen Angaben

Sind die Voraussetzungen des Auffangtatbestands erfüllt, melden Sie bei der GmbH die gesetzlichen Vertreter mit den Angaben nach § 19 Abs. 1 GwG: Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Wohnort, Art und Umfang des wirtschaftlichen Interesses sowie alle Staatsangehörigkeiten. Beim wirtschaftlichen Interesse geben Sie die Funktion als gesetzlicher Vertreter an. Zusätzlich wird unterschieden, ob kein tatsächlicher wirtschaftlich Berechtigter vorhanden ist oder seine Ermittlung trotz umfassender Prüfungen nicht möglich war (§ 19 Abs. 3 Satz 2 GwG). Bei mehreren Geschäftsführern sind alle gesetzlichen Vertreter zu berücksichtigen.

  1. Ermittlung dokumentieren Halten Sie die umfassenden Prüfungen fest: Kapitalanteile, Stimmrechte, mittelbare und vergleichbare Kontrolle sowie Mitteilungen der Beteiligten.
  2. Auffangtatbestand feststellen Kein tatsächlicher wirtschaftlich Berechtigter trotz umfassender Prüfungen und keine Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG: Erst dann greift § 3 Abs. 2 Satz 5 GwG.
  3. Gesetzliche Vertreter melden Alle Mitglieder des vertretungsberechtigten Organs mit den Angaben des § 19 Abs. 1 GwG eintragen.
  4. Änderungen nachmelden Ändert sich die Gesellschafterstruktur oder das Amt, ist die Meldung nach § 20 Abs. 1 Satz 1 GwG zu aktualisieren.
Vier Schritte zur Prüfung des Auffangtatbestands

Der Eintrag ist kein Dauerzustand: Wird später eine tatsächlich wirtschaftlich berechtigte Person ermittelt, etwa nach einem Gesellschafterwechsel oder aufgrund neuer Erkenntnisse über Kontrolle, muss die Eintragung überprüft und aktualisiert werden. Maßgeblich sind die tatsächlichen Verhältnisse, nicht nur eine neue Prozentzahl. § 20 Abs. 1 Satz 1 GwG verlangt, die Angaben aktuell zu halten.

Was der Auffangtatbestand nicht ist

Zwei Irrtümer halten sich hartnäckig. Der erste: „Wenn niemand über 25 Prozent hält, muss ich nichts melden.“ Das Gegenteil ist richtig: Auch bei höchstens 25 Prozent sind Stimmrechte und vergleichbare Kontrolle zu prüfen. Erst wenn die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 Satz 5 GwG erfüllt sind, kommt die fiktive Berechtigung in Betracht. Der zweite Irrtum ist die alte Mitteilungsfiktion: Bis Juli 2021 galt die Meldung als erfüllt, wenn die Angaben schon im Handelsregister standen. Diese Erleichterung ist zum 1. August 2021 ersatzlos entfallen; Deutschland führt seitdem ein Vollregister. Die Übergangsfristen sind längst abgelaufen. Die Details dazu stehen in Transparenzregister: die Mitteilungsfiktion gibt es nicht mehr.

Teuer wird es, wenn weder ein tatsächlicher noch ein fiktiver Berechtigter gemeldet ist: Verstöße gegen die Registerpflichten sind bußgeldbewehrt; der Rahmen des § 56 Abs. 1 Nr. 55 GwG reicht bei vorsätzlicher Begehung bis 150.000 €, bei Leichtfertigkeit bis 100.000 €. Das sind Höchstbeträge, keine Regelbußen, aber sie zeigen die Größenordnung, in der der Gesetzgeber die Meldepflicht verortet.

Tatsächlicher wirtschaftlich Berechtigter
  • Natürliche Person mit mehr als 25 % der Anteile oder Stimmrechte oder vergleichbarer Kontrolle
  • Wird direkt ermittelt und gemeldet
  • Kann mehrere Personen umfassen
Der Regelfall bei überschaubaren Gesellschafterstrukturen.
Fiktiver wirtschaftlich Berechtigter
  • Kein tatsächlicher Berechtigter trotz umfassender Prüfungen; keine Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG
  • Bei der GmbH werden die gesetzlichen Vertreter gemeldet (§ 3 Abs. 2 Satz 5 GwG)
  • Eintrag bei neuen Erkenntnissen zu tatsächlichen Berechtigten aktualisieren
Der Auffang, der die Meldepflicht nicht ersetzt, sondern erfüllbar macht.
Tatsächlich oder fiktiv: die zwei Wege zum Register-Eintrag

Praxisbeispiel: drei Drittel sind mehr als 25 Prozent

Drei Freunde gründen eine GmbH und halten unmittelbar je ein Drittel der Kapitalanteile. Ein Drittel entspricht rund 33,33 Prozent, nicht weniger als 25 Prozent. Alle drei natürlichen Personen überschreiten deshalb die Schwelle des § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 GwG und sind tatsächlich wirtschaftlich berechtigt. Ein Geschäftsführer wird in diesem Beispiel nicht an ihrer Stelle als fiktiver Berechtigter gemeldet. Ob er selbst Anteile hält oder auf vergleichbare Weise Kontrolle ausübt, ist eine eigene Frage.

Anders beginnt die Prüfung bei vier Personen mit jeweils genau 25 Prozent der Kapitalanteile und Stimmrechte: Keine überschreitet diese beiden Schwellen. Daraus folgt aber noch kein fiktiver Eintrag. Zuerst sind insbesondere mittelbare Beteiligungen und vergleichbare Kontrolle zu klären. Nur wenn nach umfassenden Prüfungen kein tatsächlicher Berechtigter ermittelt werden kann und keine Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG vorliegen, greifen die gesetzlichen Voraussetzungen des Auffangtatbestands.

RegisterRadar überwacht die Offenlegungsfrist und erinnert an eine von Ihnen erfasste Gesellschafter- oder Geschäftsführeränderung, die eine Mitteilung an das Transparenzregister auslöst. Die Eintragung selbst nehmen Sie im Registerportal vor; die App hält die Gesellschaft mit ihren Daten und Fristen fest, Nachweise legen Sie selbst ab.

Häufige Fragen

Was ist der fiktive wirtschaftlich Berechtigte?

Bei einer GmbH sind das ihre gesetzlichen Vertreter, wenn trotz umfassender Prüfungen kein tatsächlicher wirtschaftlich Berechtigter ermittelt werden kann und keine Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG vorliegen. § 3 Abs. 2 Satz 5 GwG ist ein Auffangtatbestand; die Prüfung von Anteilen, Stimmrechten und vergleichbarer Kontrolle geht vor.

Muss ich ans Transparenzregister, wenn niemand mehr als 25 Prozent hält?

Die Meldepflicht einer GmbH entfällt dadurch nicht. Zuerst sind auch Stimmrechte, mittelbare Beteiligungen und vergleichbare Kontrolle zu prüfen. Die gesetzlichen Vertreter werden erst dann als fiktiv wirtschaftlich Berechtigte gemeldet, wenn die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 Satz 5 GwG erfüllt sind.

Wen trage ich ein, wenn drei Gesellschafter je ein Drittel halten?

Sind die drei Gesellschafter unmittelbar beteiligte natürliche Personen, sind alle drei tatsächlich wirtschaftlich berechtigt: Ein Drittel entspricht rund 33,33 Prozent und überschreitet 25 Prozent (§ 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 GwG). Der Geschäftsführer wird nicht allein an ihrer Stelle als fiktiver Berechtigter gemeldet.

Was droht, wenn das Transparenzregister nicht gepflegt wird?

Verstöße gegen die Meldepflicht sind bußgeldbewehrt: § 56 Abs. 1 Nr. 55 GwG sieht bei vorsätzlicher Begehung bis zu 150.000 € vor, bei Leichtfertigkeit bis zu 100.000 €. Das sind Höchstbeträge und keine Regelbußen, aber das Verfahren kostet in jedem Fall Zeit und Geld.

Das Wichtigste in Kürze

Kurz zusammengefasst

Bei drei unmittelbar beteiligten natürlichen Personen mit je einem Drittel sind alle drei tatsächlich wirtschaftlich berechtigt. Fiktive Berechtigung setzt dagegen umfassende Prüfungen ohne ermittelten tatsächlichen Berechtigten und das Fehlen von Tatsachen nach § 43 Abs. 1 GwG voraus (§ 3 Abs. 2 Satz 5 GwG). Die Meldepflicht bleibt bestehen.

Drei Dinge halten Sie sauber: die Ermittlung dokumentieren, den Eintrag bei Strukturänderungen nach § 20 Abs. 1 Satz 1 GwG aktualisieren und den Auffangtatbestand nie als Befreiung lesen. Die alte Mitteilungsfiktion aus dem Handelsregister gibt es seit dem 1. August 2021 nicht mehr.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

RegisterRadar kostenlos ausprobieren

Offenlegung, Transparenzregister, Ordnungsgeld – Register-Pflichten ohne Fachchinesisch.

Zur App →
Weiterlesen Offenlegung oder Transparenzregister: zwei Pflichten GmbH & Co. KG: Offenlegung und Transparenzregister Wirtschaftlich Berechtigter der GmbH bestimmen: § 3 GwG