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Fristen

Ordnungsgeld vermeiden: die Offenlegungsfrist einhalten

30. Juli 2026, aktualisiert 12. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit · RegisterRadar Redaktion
Kurzantwort

Die Offenlegungsfrist endet ein Jahr nach dem Abschlussstichtag (§ 325 Abs. 1a HGB). Danach führt das Bundesamt für Justiz von Amts wegen ein Ordnungsgeldverfahren, gegen die Geschäftsführung und gegebenenfalls auch gegen die Gesellschaft.

Die Offenlegung des Jahresabschlusses ist eine der einfachsten Pflichten im GmbH-Alltag und eine der teuersten, wenn sie reißt. Was dann folgt, heißt Ordnungsgeldverfahren und läuft nach § 335 HGB in festen Schritten ab. Dieser Beitrag geht sie durch, nennt den Rahmen, den das Gesetz zieht, und zeigt die eine Frist, die den Betrag noch abwenden kann.

Die Frist hängt von den Fallgrundlagen ab

Im gewöhnlichen Fall nennt § 325 Abs. 1a HGB spätestens ein Jahr nach dem Abschlussstichtag. Bei Kapitalmarktorientierung nach § 264d gilt grundsätzlich längstens vier Monate; § 327a enthält die enge Schuldtitelausnahme. Weitere Sondervorschriften bleiben gesondert zu prüfen. Die Fallunterscheidung mit Beispielen erklärt das gespeicherte Modell.

Übermittelt wird elektronisch an die das Unternehmensregister führende Stelle (§ 325 Abs. 1 HGB). Das gilt für die GmbH genauso wie für die UG (haftungsbeschränkt): Sie ist eine Kapitalgesellschaft wie die GmbH, mit gleicher Pflicht und gleicher Frist. Auch Kleinstkapitalgesellschaften legen offen, nur in vereinfachter Form (§ 326 Abs. 2 HGB).

Der Startpunkt ist der Stichtag, nicht der fertige Abschluss

Die Frist läuft ab dem Bilanzstichtag, unabhängig davon, wann Ihre Zahlen stehen. Wer die Kanzlei erst im Herbst beauftragt, hat oft drei Viertel der Frist verbraucht, ohne es zu merken.

Wie sich der Weg dorthin rückwärts planen lässt, steht in Jahresabschluss offenlegen: der Zeitplan.

Wie das Ordnungs­geldverfahren abläuft

Wird die Frist versäumt, führt das Bundesamt für Justiz von Amts wegen ein Ordnungsgeldverfahren durch (§ 335 Abs. 1 HGB). Es richtet sich gegen die Mitglieder des vertretungsberechtigten Organs, also gegen die Geschäftsführung persönlich.

Ein Punkt, der oft falsch erinnert wird: Das Verfahren kann daneben auch gegen die Kapitalgesellschaft selbst geführt werden (§ 335 Abs. 1 Satz 2 HGB). Die verbreitete Formel, es treffe nur die Geschäftsführer und nicht die Gesellschaft, stimmt so nicht.

  1. Fristende Offenlegungsfrist abgelaufen Die tatsächlich anwendbare Frist und den Übermittlungsstand prüfen. Ein rechnerischer Modelltermin allein belegt keine Pflichtverletzung und kein Verfahren.
  2. danach Androhung mit Kostenentscheidung Das Bundesamt droht ein Ordnungsgeld in bestimmter Höhe an und legt zugleich die Verfahrenskosten auf (§ 335 Abs. 3 HGB).
  3. sechs Wochen Die entscheidende Frist Sechs Wochen ab Zugang der Androhung, um offenzulegen oder die Unterlassung mittels Einspruchs zu rechtfertigen. Der Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung.
  4. danach Festsetzung und Wiederholung Wird die Frist ungenutzt versäumt, wird das Ordnungsgeld festgesetzt und die Verfügung unter Androhung eines erneuten Ordnungsgeldes wiederholt (§ 335 Abs. 4 Satz 1 HGB).
Die Schritte nach § 335 HGB

Der Einstieg kommt still: Zuerst steht nur die Androhung. Wer jetzt einreicht, wendet die Festsetzung ab – die Verfahrenskosten bleiben allerdings.

Welche Beträge das Gesetz nennt und welche nicht

Hier lohnt Genauigkeit, weil zu diesem Thema Zahlen kursieren, die nirgends im Gesetz stehen. § 335 HGB nennt genau zwei Größen und einen Ermäßigungskatalog:

Beträge nach § 335 HGB
AngabeBetragFundstelle
Ordnungsgeld, Mindestbetrag2.500 €§ 335 Abs. 1 Satz 4
Ordnungsgeld, Höchstbetrag25.000 €§ 335 Abs. 1 Satz 4
Herabsetzung bei Kleinstkapitalgesellschaften500 €§ 335 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1
Herabsetzung bei kleinen Kapitalgesellschaften1.000 €§ 335 Abs. 4 Satz 2 Nr. 2
Herabsetzung in den übrigen Fällen2.500 €§ 335 Abs. 4 Satz 2 Nr. 3

Was das Gesetz nicht nennt: eine feste Staffel von Zwischenbeträgen und keine Monatsabstände zwischen den Stufen. Wer liest, nach drei Monaten würden 5.000 Euro und nach sieben Monaten 10.000 Euro fällig, liest eine Zahl ohne Fundstelle. Das Gesetz regelt einen Rahmen und die Wiederholung, nicht einen Fahrplan.

Für kapitalmarktorientierte Gesellschaften gelten nach § 335 Abs. 1a HGB abweichende Höchstbeträge. Die Ausnahme des § 327a HGB hebt diese nicht auf. Rechtsform und Unternehmensname beweisen die Kapitalmarktorientierung nicht.

Die Herabsetzung ist gebunden, nicht Kulanz

Wer die Pflicht erst nach Ablauf der Sechswochenfrist erfüllt, bekommt das Ordnungsgeld herabgesetzt: Das Bundesamt hat es herabzusetzen, es liegt nicht in seinem Ermessen.

Und es gibt eine vierte Nummer: Bei nur geringfügiger Überschreitung der Sechswochenfrist ist jeweils auf einen geringeren Betrag herabzusetzen (§ 335 Abs. 4 Satz 2 Nr. 4 HGB).

Warum die Frist trotzdem reißt

In der Praxis sind es immer dieselben vier Gründe, und keiner davon ist Nachlässigkeit im engeren Sinn:

Dem Ordnungsgeldverfahren steht nicht entgegen, dass eine vorausgehende Pflicht noch nicht erfüllt ist, etwa die Aufstellung des Abschlusses (§ 335 Abs. 1 Satz 3 HGB). Dokumentieren Sie deshalb die noch offenen Schritte und ihre Zuständigkeit.

BfJ-Schreiben erhalten: zuerst die Verfahrensstufe erkennen

Lesen Sie Überschrift, Adressat und Rechtsbehelfsbelehrung des gesamten Schreibens. Androhung, Kostenentscheidung, Ordnungsgeldfestsetzung und eine erneute Androhung können nebeneinanderstehen. Ordnen Sie deshalb jeden Teil getrennt zu.

Verfahrensstufe und nächste Prüfung
Teil des SchreibensWas zu unterscheiden istNächster Schritt
Androhung und KostenentscheidungSechs Wochen ab Zugang für Erfüllung oder Rechtfertigung der Unterlassung mittels Einspruchs. Der Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung (§ 335 Abs. 3 HGB).Zugang belegen, Offenlegungsstand prüfen und Kostenentscheidung gesondert beachten.
Festsetzung eines OrdnungsgeldsDie Beschwerde nach § 335a HGB ist ein anderer Rechtsbehelf. Die Frist beträgt zwei Wochen; bei Beschwerde gegen die Festsetzung besteht aufschiebende Wirkung.Rechtsbehelfsbelehrung, Fristbeginn und Übermittlungsweg am konkreten Schreiben prüfen lassen.
Erneute Androhung neben der FestsetzungDie erneute Nachfrist betrifft die weiter offene Offenlegungspflicht (§ 335 Abs. 4 HGB).Diese Nachfrist getrennt von der Beschwerdefrist zur Festsetzung notieren.
ZahlungserinnerungVerfahrenskosten und festgesetztes Ordnungsgeld sind verschiedene Positionen. Eine Zahlung ersetzt die Offenlegung nicht.Kassenzeichen und zugrunde liegende Entscheidung abgleichen; keine neue Rechtsbehelfsfrist aus der Erinnerung ableiten.

Die folgende Arbeitsliste ist eine organisatorische Vorbereitung für das Gespräch mit Ihrer Buchhaltung oder Beratung. Sie berechnet keine Frist und entscheidet nicht, welcher Rechtsbehelf in Ihrem Fall zulässig ist. Die rechtlichen Einzelheiten stehen im vorhandenen Ratgeber zu Einspruch, Frist und Herabsetzung.

Meine Vorbereitung zum BfJ-Schreiben

Vorbereitung nach eigener Prüfung, keine Rechtsberatung, keine Fristberechnung und keine Einreichung. Tragen Sie hier keine Namen, Aktenzeichen oder Beträge ein.

Markieren Sie Ihren Vorbereitungsstand. Die Übersicht nennt anschließend Ihre offenen Punkte. Ihre Auswahl bleibt auf dieser Seite und wird beim Neuladen zurückgesetzt.

Androhung, Festsetzung, Kostenentscheidung und Erinnerung unterscheiden. Prüfen, ob die Gesellschaft, ein Organmitglied oder beide angeschrieben sind.

Gesellschaft und betroffenes Geschäftsjahr mit dem Einreichungsbeleg vergleichen. Unterschiedliche Verfahren getrennt halten.

Zugangsdatum und vorhandenen Zustellnachweis in der eigenen Akte sichern; das Briefdatum allein ist kein Zugangsbeleg.

Rechtsbehelfsbelehrung und Fristbeginn lesen. Eine erneute Offenlegungsfrist nicht mit der Beschwerdefrist gegen eine Festsetzung verwechseln.

Mit der zuständigen Stelle klären, welche Unterlagen für das Geschäftsjahr tatsächlich vollständig übermittelt wurden. Auftrag und Eingangsbeleg in der eigenen Akte sichern.

Die einzelnen Positionen und Zahlungsangaben des Schreibens prüfen. Eine Nachreichung lässt nicht automatisch alle Kosten entfallen.

Festlegen, wer offene Punkte mit der Beratung klärt, wer eine Übermittlung übernimmt und wann der Eingang kontrolliert wird. Die Arbeitsliste selbst versendet nichts.

So bleiben Sie dauerhaft vor der Frist

Ein Beispiel: Stichtag 31. Dezember 2025, Frist also 31. Dezember 2026. Wer rückwärts plant, setzt die Aufstellung in die ersten drei bis sechs Monate (§ 264 Abs. 1 HGB), die Feststellung danach und die Übermittlung auf den Herbst, mit zwei bis drei Monaten Abstand zur Höchstfrist.

Genau dafür ist RegisterRadar gebaut: Aus dem Bilanzstichtag ergibt sich die Frist je Gesellschaft, die Ampel steht ab 90 Tagen vor dem Termin auf Gelb, und der Ablauf des Ordnungsgeldverfahrens steht daneben: mit dem, was das Gesetz hergibt, und ohne erfundene Zwischenstufen.

Der Nebeneffekt ist in der Praxis oft der wichtigere: Wer die Offenlegung terminiert, stolpert dabei über Änderungen im Gesellschafterkreis, die eine eigene Meldepflicht auslösen können. Beides gehört in denselben Kalender. Mehr dazu in Transparenzregister: die Mitteilungsfiktion gibt es nicht mehr.

Was RegisterRadar nicht leistet: Es ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung und reicht nicht für Sie ein. Es sorgt dafür, dass der Termin nicht der Erste ist, von dem Sie durch Post vom Bundesamt erfahren.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Ordnungsgeld bei verspäteter Offenlegung?

Mindestens 2.500 und höchstens 25.000 Euro (§ 335 Abs. 1 Satz 4 HGB). Feste Zwischenbeträge oder Monatsabstände nennt das Gesetz nicht. Für kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften gelten nach § 335 Abs. 1a HGB deutlich höhere Rahmen.

Trifft das Ordnungsgeld die Geschäftsführer oder die Gesellschaft?

Beides ist möglich. Das Verfahren richtet sich gegen die Mitglieder des vertretungsberechtigten Organs und kann daneben auch gegen die Kapitalgesellschaft selbst geführt werden (§ 335 Abs. 1 Sätze 1 und 2 HGB).

Was kann ich tun, wenn die Androhung schon zugestellt ist?

Sie haben sechs Wochen ab Zugang, um die Offenlegung nachzuholen oder die Unterlassung mittels Einspruchs zu rechtfertigen (§ 335 Abs. 3 HGB). Der Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Wer in dieser Frist einreicht, wendet die Festsetzung ab; die Verfahrenskosten bleiben.

Wird das Ordnungsgeld kleiner, wenn ich kurz nach der Frist offenlege?

Ja, und zwar gebunden. Das Bundesamt hat den Betrag herabzusetzen: auf 500 Euro bei Kleinstkapitalgesellschaften, 1.000 Euro bei kleinen Kapitalgesellschaften, 2.500 Euro in den übrigen Fällen mit höherer Androhung und jeweils auf einen geringeren Betrag bei nur geringfügiger Überschreitung (§ 335 Abs. 4 Satz 2 HGB).

Hilft es, dass der Jahresabschluss noch nicht aufgestellt ist?

Nein. § 335 Abs. 1 Satz 3 HGB stellt ausdrücklich klar, dass dem Verfahren nicht entgegensteht, wenn eine vorausgehende Pflicht wie die Aufstellung des Abschlusses noch nicht erfüllt ist.

Gilt bei einer Festsetzung ebenfalls die Sechswochenfrist?

Die Beschwerde gegen die Festsetzung unterliegt der Zweiwochenfrist nach § 335a Abs. 2 HGB. Daneben kann eine erneute Androhung eine weitere Nachfrist zur Offenlegung enthalten. Lesen Sie beide Teile und die Rechtsbehelfsbelehrung getrennt; diese Arbeitsliste berechnet keine Frist.

Das Wichtigste in Kürze

Kurz zusammengefasst

Die Offenlegungsfrist endet ein Jahr nach dem Abschlussstichtag (§ 325 Abs. 1a HGB). Danach führt das Bundesamt für Justiz von Amts wegen ein Ordnungsgeldverfahren, gegen die Geschäftsführung und gegebenenfalls auch gegen die Gesellschaft.

Das Gesetz nennt einen Rahmen von 2.500 bis 25.000 Euro und die Wiederholung des Verfahrens, aber keine feste Staffel von Zwischenbeträgen und keine Monatsabstände.

Die sechs Wochen ab Zugang der Androhung sind die entscheidende Frist: Wer in ihr offenlegt, wendet die Festsetzung ab; wer nur kurz danach erfüllt, bekommt den Betrag gebunden herabgesetzt.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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