Offenlegung: Vier- und Zwölfmonatsmodell richtig einordnen
5. August 2026, aktualisiert 14. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · RegisterRadar RedaktionRegisterRadar trennt Datumsrechnung, Anwendbarkeit nach Ihren Angaben und tatsächlichen Offenlegungsstand. Nur vollständige, widerspruchsfreie Angaben zum abgedeckten Fall führen zu einem Vier- oder Zwölfmonatsmodell.
Ein Stichtag reicht für eine Datumsrechnung, aber nicht für eine individuelle Offenlegungsfrist. RegisterRadar speichert deshalb Kapitalmarktorientierung, die vollständige Schuldtitelausnahme und weitere Sondervorschriften jeweils als Ja, Nein oder Unbekannt. Daraus folgt ein Vier- oder Zwölfmonatsmodell nach Ihren Angaben oder eine ausdrücklich offene Fallprüfung.
Was das allgemeine Jahresmodell berechnet
§ 325 Abs. 1a HGB verlangt die Übermittlung der dort genannten Unterlagen grundsätzlich spätestens ein Jahr nach dem Abschlussstichtag des Geschäftsjahrs. Das ist der Schluss des betreffenden Geschäftsjahrs, nicht das Datum der Aufstellung oder Feststellung. Im Modell wird zum eingegebenen Stichtag ein Jahr addiert. Fehlt der entsprechende Tag im Zielmonat, wird auf dessen letzten Tag gekappt. Unterlagen nach § 325 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB, die innerhalb dieser Frist noch nicht vorliegen, sind nach ihrem Vorliegen unverzüglich zu übermitteln. Dieses Modell betrifft den Jahresabschluss, nicht sämtliche Unterlagen und Sonderpflichten.
| Eingegebener Stichtag | Rechnerischer Modelltermin | Einordnung |
|---|---|---|
| 31.12.2025 | 31.12.2026 | Anwendbarkeit gesondert prüfen |
| 30.06.2025 | 30.06.2026 | Abweichendes Geschäftsjahr |
| 29.02.2024 | 28.02.2025 | Monatsende statt Überlauf auf den 1. März |
Wochenenden und örtliche Feiertage werden in diesem Modell nicht verschoben. § 193 BGB enthält eine Regel zum nächsten Werktag bei Erklärungen oder Leistungen. Prüfen Sie die für Ihren Fall anwendbaren Fristregeln und den maßgeblichen Ort; aus dem unveränderten Modelltermin folgt keine Aussage, dass § 193 ausgeschlossen wäre.
Welche Fallangaben das Modell bestimmen
Bei Kapitalmarktorientierung nach § 264d HGB beträgt die Frist nach § 325 Abs. 4 grundsätzlich längstens vier Monate. Maßgeblich ist die Nutzung eines organisierten Marktes durch die betreffenden Wertpapiere oder bereits deren beantragte Zulassung. Die Rechtsform AG allein entscheidet das nicht; auch ein fehlendes Aktienlisting schließt Kapitalmarktorientierung nicht automatisch aus.
§ 327a HGB verlangt ausschließlich bereits zum Handel an einem organisierten Markt zugelassene Schuldtitel nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 WpHG mit mindestens 100.000 Euro Stückelung oder entsprechendem Fremdwährungsgegenwert am Ausgabetag. Ein bloßer Zulassungsantrag oder die Stückelung allein genügt nicht. Die Ausnahme nimmt § 325 Abs. 4 Satz 1 und 3 aus, aber weder die Offenlegungspflicht insgesamt noch die abweichenden Ordnungsgeldhöchstbeträge nach § 335 Abs. 1a.
| Kapitalmarkt | Schuldtitelausnahme | Sondervorschriften | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Nein | Nein oder Unbekannt | Nein | Zwölfmonatsmodell |
| Ja | Nein | Nein | Viermonatsmodell |
| Ja | Ja, vollständig erfüllt | Nein | Zwölfmonatsmodell nach § 327a |
| Unbekannt | beliebig | beliebig | Kein berechneter Termin |
| beliebig | beliebig | Ja oder Unbekannt | Kein berechneter Termin |
| Nein | Ja | Nein | Widerspruch; kein berechneter Termin |
Kapitalmarktorientierte Gesellschaften gelten nach § 267 Abs. 3 HGB stets als groß. Zusammen mit der Auswahl klein oder kleinst bleibt die Prüfung deshalb offen. RegisterRadar ändert Ihre Angaben nicht automatisch. Bei GmbH & Co. KG muss der Anwendungsbereich des § 264a HGB erfüllt sein. Befreiungen etwa nach §§ 264 Abs. 3 oder 264b HGB sowie andere Sondervorschriften sind vor der Auswahl Nein zu prüfen.
Das Viermonatsmodell ist eine äußere Zeitgrenze. Bei früherer öffentlicher Zugänglichmachung im Internet nach § 114 Abs. 1 Satz 2 WpHG sind die Unterlagen gleichzeitig zu übermitteln (§ 325 Abs. 4 Satz 3 HGB). Maßgeblich ist die Übermittlung, nicht ein späterer Veröffentlichungstag. Weitere Sonderpflichten werden nicht berechnet.
| Stichtag | Modelltermin | Grenze |
|---|---|---|
| 31.12.2025 | 30.04.2026 | Monatsende |
| 31.10.2023 | 29.02.2024 | Schaltjahr |
| 31.10.2025 | 28.02.2026 | Wochenende unverändert; Fristregeln gesondert prüfen |
Abschlussstichtage vor 2017 bleiben wegen historischer Gesetzesfassungen und des nicht gespeicherten Geschäftsjahresbeginns ausdrücklich offen. Ein leeres, ungültiges oder zukünftiges Datum liefert kein Ergebnis.
Den vorhandenen Nutzerweg verwenden
- Wählen Sie im öffentlichen Rechner Rechtsform, Größenklasse, Stichtag und die drei Fallmerkmale. Unbekannt ist eine eigene Angabe und bedeutet nicht Nein.
- Im gespeicherten Radar können Sie dieselben Grundlagen anlegen, bearbeiten und erneut laden. Bestehende Gesellschaften starten mit unbekannten neuen Merkmalen; IDs, Eigentümer und Transparenzregisterangaben bleiben erhalten.
- Liste und Detail zeigen das gewählte Modell, alle Eingabegrundlagen und seine Grenzen. Wenn Sie eine erforderliche Angabe auf Unbekannt zurücksetzen, verschwindet der bisherige Termin. Ein neues Datum wird nicht aus Rechtsform oder Namen abgeleitet.
- Erinnerungen verwenden die aktuell gespeicherten Angaben. Bei ungeklärtem Fall erinnern sie an die offene Prüfung ohne Datum; sonst beziehen sie sich auf den Vier- oder Zwölfmonatstermin. Keine Erinnerung bestätigt eine unterlassene Offenlegung.
- Prüfen Sie die tatsächlich übermittelten Unterlagen und den Eingangsbeleg gesondert. RegisterRadar reicht nichts ein und fragt weder Unternehmensregister noch Bundesamt für Justiz ab.
Der Kontodatenexport enthält die gespeicherten Eingabegrundlagen. Ein gesonderter Export einer geprüften individuellen Offenlegungsfrist ist damit nicht verbunden. Der vorhandene Erledigt-Knopf betrifft den Transparenzregister-Merker, nicht die Offenlegung des Jahresabschlusses.
Ein vergangener Modelltermin ist kein Verfahrensnachweis
Beispiel: Aus dem Stichtag 31. Dezember 2024 wird im Modell der 31. Dezember 2025. Am 14. Oktober 2026 liegt dieser Termin 287 Kalendertage zurück. Daraus weiß die Software nicht, ob längst fristgerecht offengelegt wurde oder ob ein Behördenverfahren existiert. Genau diese beiden Zustände bleiben unbekannt.
Der allgemeine Ablauf nach § 335 HGB unterscheidet Androhung, Sechswochenfrist ab Zugang und gegebenenfalls Festsetzung mit erneuter Androhung. Der allgemeine Ordnungsgeldrahmen und die abweichenden Höchstbeträge für Kapitalmarktorientierung sind zu trennen. Herabsetzungen setzen die gesetzlichen Bedingungen voraus. Die Darstellung des Ablaufs ist keine individuelle Prognose.
Bei einem vorhandenen Schreiben hilft die Vorbereitung für die Prüfung der Androhung. Halten Sie Schreiben, Zugang und Übermittlungsbelege zusammen. Der Modelltermin ersetzt die darin maßgeblichen Fristen nicht.
Häufige Fragen
Ist der angezeigte Termin meine bestätigte Offenlegungsfrist?
Die Berechnung folgt Ihren gespeicherten Angaben, ohne unabhängige Prüfung. Sind erforderliche Grundlagen unbekannt, widersprüchlich oder Sonderfälle einschlägig, wird kein Termin berechnet. Offenlegungsstand und Behördenverfahren bleiben auch bei vollständigen Angaben unbekannt.
Was geschieht bei einem Stichtag zum 29. Februar?
Das Jahresmodell kappt auf den letzten Tag des Zielmonats. Aus dem 29. Februar 2024 wird der 28. Februar 2025, nicht der 1. März. Das bestätigt nur die Datumsrechnung, nicht die Anwendbarkeit des Jahresmodells.
Beweist eine rote Anzeige ein laufendes Ordnungsgeldverfahren?
Nein. Rot bezeichnet einen vergangenen Modelltermin. Tatsächliche Offenlegung und Verfahrensstand sind unbekannt; RegisterRadar fragt keine Behördendaten ab.
Werden Wochenenden und Feiertage berücksichtigt?
Das Modell verschiebt den rechnerischen Termin nicht. Prüfen Sie die anwendbaren Fristregeln einschließlich § 193 BGB und den maßgeblichen Ort gesondert. Die fehlende Verschiebung ist keine Aussage über den Ausschluss dieser Vorschrift.
Das Wichtigste in Kürze
RegisterRadar trennt Datumsrechnung, Anwendbarkeit nach Ihren Angaben und tatsächlichen Offenlegungsstand. Nur vollständige, widerspruchsfreie Angaben zum abgedeckten Fall führen zu einem Vier- oder Zwölfmonatsmodell.
Nutzen Sie das Modell zur Vorbereitung. Klären Sie Sonderregeln, Unterlagen und den tatsächlichen Übermittlungsstand, bevor Sie daraus eine individuelle Fristentscheidung ableiten.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.